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Remigration
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Remigration (von lateinisch remigrare âzurĂŒckwandernâ, âzurĂŒckkehrenâ), auch RĂŒckwanderung oder RĂŒckkehrmigration, bezeichnet den Teil eines Migrationsprozesses, bei dem Menschen nach einer betrĂ€chtlichen Zeitspanne in einem anderen Land oder einer anderen Region in ihr Herkunftsland oder ihre Herkunftsregion zurĂŒckkehren. Remigration findet in umgekehrter Richtung zur vorangegangenen Migration statt. Der Begriff wurde von der Neuen Rechten als Kampfbegriff und Euphemismus fĂŒr Vertreibung und Deportation etabliert. Eine Jury wĂ€hlte ihn zum âUnwort des Jahres 2023â in Deutschland.
Contents
âą Definition
âą Genderaspekte
âą Reintegration
âą Untersuchungen
âą Frankreich
âą Deutschland
âą Ăsterreich
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Definition
Der Begriff steht fĂŒr die RĂŒckkehr in einem engeren oder weiteren Herkunftskontext der Migration meist am Ende einer Wanderungskette. Ăblicherweise wird von Remigration nur innerhalb der Biografie einer einzelnen Person gesprochen.cite-ref-1[1] Die Remigration der Nachfahren wird unter dem Terminus âRemigration der 2. Generationâ in der Migrationssoziologie behandelt.cite-ref-2[2] Der Ursprungsort kann ein Haus, Dorf, eine Region, ein Nationalstaat oder Kontinent sein.cite-ref-3[3]
Formen und Perspektiven
Bis in die 1960er Jahre wurde die Remigration kaum erforscht, da es keine befriedigende Datengrundlage gab und die Migrationsforscher sich auf andere Aspekte der Migration konzentrierten.cite-ref-4[4]
Man kann zwischen der freiwilligen und erzwungenen RĂŒckkehr unterscheiden: Die Remigration kann durch einen Migranten selbst initiiert oder aber auch erzwungen sein. Im Kontext der staatlich erzwungenen RĂŒckkehr werden die Begriffe âRĂŒckfĂŒhrungâ, âAbschiebungâ, âAusweisungâ oder âDeportationâ gebraucht.cite-ref-0-5-0[5] Auch bei der freiwilligen RĂŒckkehr können staatliche Institutionen oder Nichtregierungsorganisationen beteiligt sein, die die Remigration bzw. Reintegration organisatorisch und/oder finanziell unterstĂŒtzen.cite-ref-0-5-1[5]
| Klassifikation | Remigration nach Jahren | Orientierung |
|---|---|---|
| Fehlschlag der Migration | <5 | Herkunftsort |
| Bewahrung der IdentitĂ€t | 5â10 | Herkunftsort |
| RĂŒckkehr zur Innovation | 10â20 | Auswanderungsort |
| Heimkehr zum Ruhestand | >20 | Auswanderungsort |
| keine RĂŒckkehr | | Auswanderungsort |
Bei einer Remigration nach kurzer Zeit spricht er von einem Fehlschlag der Migration und nennt als mögliche GrĂŒnde Anpassungsschwierigkeiten und das Fehlen adĂ€quater Erwerbsmöglichkeiten. Eine Remigration zur Bewahrung der IdentitĂ€t findet statt, nachdem sich der Auswanderer eingerichtet hat, eventuell genĂŒgend erspart hat und seine Heimatkultur bewahren und sogar im Herkunftsort pflegen will. Deshalb spricht man auch von RĂŒckkehr aus Konservatismus. Als eine RĂŒckkehr zur Innovation bezeichnet er die RĂŒckwanderung nach langem Aufenthalt mit dem Ziel, neue Ideen in seiner Heimat zu verwirklichen. Dieser Fall tritt seltener auf und der RĂŒckkehrer trifft auf den Beharrungswiderstand der lokalen Gesellschaft. Die RĂŒckkehr nach dem altersbedingten Ausscheiden aus dem Erwerbsleben findet erst nach langer Zeit statt und der RĂŒckkehrer ist wegen seiner langen Abwesenheit und seiner Sozialisation am Auswanderungsort entfremdet.cite-ref-king-regional-14f-8-1[8]
Ein anderer, von Jean-Pierre Cassarino vorgestellter Ansatz unterscheidet bei RĂŒckkehrern nach unterschiedlichen Graden der Vorbereitung (âpreparednessâ), die auch mit verschiedenen Möglichkeiten der Aktivierung von Ressourcen fĂŒr die Remigration und Reintegration zusammenhĂ€ngen. Dazu zĂ€hlt die Aktivierung und Nutzung von finanziellem Kapital, Qualifizierungen und sozialem Kapital. Je höher dieses ausfĂ€llt, umso erfolgversprechender ist die Remigration und Reintegration fĂŒr die wandernde Person und das Herkunftsland. Entlang dieser Dimension lĂ€sst sich die Remigranten graduell klassifizieren. Am besten gestellt sind RĂŒckkehrer, deren hoher Grad an âpreparednessâ es erlaubt, Zeitpunkt und Art der RĂŒckwanderung selbststĂ€ndig zu planen. Diese verfĂŒgen ĂŒber hohe Ressourcen und können diese nutzen sowie auĂerdem Kosten und Nutzen einer RĂŒckkehr gegenĂŒber einem Verbleib abwĂ€gen. Am schlechtesten gestellt sind etwa Personen, die das Aufnahmeland zum Beispiel wegen Abschiebungen verlassen. Ihre Bereitschaft zur RĂŒckkehr sowie die Ressourcen sind am niedrigsten ausgeprĂ€gt.cite-ref-1-9-0[9]
Die Migrationswissenschaftlerin Katie Kuschminder unterscheidet nach den strategischen VerhĂ€ltnissen der RĂŒckkehrer vier FĂ€lle:
âą Freiwillige RĂŒckkehr aus langer und meist erfolgreicher Abwesenheit mit dem Wunsch starker Eingliederung, wobei der Remigrant beiden Kulturkreisen zugewandt ist und bleibt.
âą Freiwillige RĂŒckkehr aus langer und meist erfolgreicher Abwesenheit mit dem Wunsch, die Werte und Kultur des Gastlandes wie in einer Enklave in seinem Ursprungsort zu erhalten.
âą Freiwillige RĂŒckkehr aus kĂŒrzerer und stabiler Abwesenheit mit traditionellen Ansichten und Werten des Ursprungsortes.
âą Unvorbereitete RĂŒckkehr (z. B. wegen Abschiebung, Deportation) nach kurzer Abwesenheit unter wirtschaftlich ungesicherten VerhĂ€ltnissen. Kein Bezug zu Werten und Kultur des Gastlandes. Die RĂŒckkehrer werden von der herrschenden Mehrheitsgesellschaft des Ursprungslandes abgelehnt.cite-ref-10[10]
Auf der Makroebene werden Migranten auf der Ebene der Nationalstaaten hÀufig in die drei Kategorien
âą Opfer wie FlĂŒchtlinge, Vertriebene und Opfer des Menschenhandels
âą erwĂŒnschte Hochqualifizierte und
âą wirtschaftlich notwendige geringfĂŒgig qualifizierte sozial unerwĂŒnschte Migranten
eingeteilt. Das beeinflusst die RĂŒckkehr und die Behandlung der RĂŒckkehrer durch die Staaten und ihre Darstellung in den Medien.cite-ref-11[11]
FĂŒr Remigrationen gelten potentiell dieselben heterogenen BeweggrĂŒndecite-ref-1-9-1[9] wie fĂŒr andere Formen der Migration. Es können jedoch zusĂ€tzliche Faktoren dazukommen, wie etwa der Wunsch, sich nach einer politisch motivierten Emigration in den verĂ€nderten Herkunftskontext einzubringen. Zu den hĂ€ufig genannten individuellen Pushfaktoren gehören Rassismus und Diskriminierung im Aufenthaltsort, Heimweh und gesundheitliche Probleme. Pullfaktoren sind oftmals die familiĂ€ren und sozialen Bande zum Herkunftsort, soziale Sicherheit (z. B. Pflege von oder durch Verwandte bei Krankheit und Alter, Kinderbetreuung) und Renteneintritt. Die mit der RĂŒckkehr verbundenen Erwartungen werden oft nicht erfĂŒllt (sowohl der Migrant wie auch RĂŒckkehrumgebung haben sich wĂ€hrend der Abwesenheit verĂ€ndert) und es kommt zu EnttĂ€uschung und Frustration, so dass der Remigrant evtl. wieder in sein Gastland zurĂŒckkehren will.cite-ref-12[12]
RĂŒckkehr ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Migrationsvorganges, sondern sie kann Teil eines Migrationsverlaufs oder im Fall der Zirkularmigration eines wiederkehrenden Zyklus bei Individuen oder Gruppen sein.cite-ref-1-9-2[9] Eine Einordnungsmöglichkeit der transnationalen Remigration orientiert sich am relativen Entwicklungsstand der beiden betroffenen LĂ€nder und kennt drei Typen: Remigration zwischen etwa gleich entwickelten Staaten, die RĂŒckkehr aus einem hochentwickelten Staat in einen weniger entwickelten und die RĂŒckkehr aus einem weniger entwickelten in einen höher entwickelten Staat.cite-ref-13[13]
Mit zunehmendem rĂ€umlichen Abstand ist die Remigrationsneigung von Langzeitmigranten geringer, da die wirtschaftliche, soziale und psychologische Trennung zwischen Heimatort und Aufenthaltsort gröĂer ist. Zwischen nĂ€her zusammenliegenden Staaten können dagegen transnationale Kontakte, vor und nach der RĂŒckkehr gepflegt werden.cite-ref-14[14]
Wirtschaftliche ErklÀrungsansÀtze
In der Wirtschaftswissenschaft wird die individuelle RĂŒckwanderungsentscheidung durch Ăberlegungen der Nutzenoptimierung erklĂ€rt. Als GrĂŒnde werden die PrĂ€ferenz fĂŒr Konsum am Herkunftsort, höhere Kaufkraft im Herkunftsort, Erreichung einer Ressourcenverbesserung (Zielsparen, Qualifikationen) und wirtschaftliche Schocks auf der makroökonomischen Ebene (Wechselkurs, KaufkraftparitĂ€t, Arbeitskraftnachfrage und Lohnniveau) oder mikroökonomischen Ebene (Arbeitslosigkeit, persönliche Zukunftsaussichten) und weiteres aufgefĂŒhrt. Die Empirie dazu ist gering.cite-ref-15[15]
Im Neoklassischen Ansatz der Wirtschaftswissenschaft werden der Lohnniveauunterschied und die Zukunftserwartung höherer persönlicher EinkĂŒnfte als Migrationstreiber angesehen. Zur RĂŒckkehrentscheidung kommt es, wenn der Migrant zu der Einsicht gelangt, dass die Differenz aus den Kosten des Aufenthalts und des Ertrages aus der Arbeitskraft falsch, d. h. zu gĂŒnstig, eingeschĂ€tzt wurden. Der RĂŒckkehrer erwartet nunmehr in seinem Heimatort den gröĂeren Ertrag fĂŒr sich. Die vorherige Migration wird als Fehlentscheidung bei Unsicherheit betrachtet. Ersparnisse und Qualifikationen spielen kaum eine Rolle.cite-ref-16[16]
Die Neue Ăkonomie der Arbeitsmigration (engl. new economics of labour migration NELM) sieht die RĂŒckkehr dagegen als Teil einer erfolgreichen Strategie von Migrieren, Geld verdienen, RĂŒckĂŒberweisungen in die Heimat, Ansparen und zuletzt der RĂŒckkehr zu einem sichereren und komfortableren Leben am Ursprungsort. Anders als beim individualistischen Entscheidungsmotiv des Neoklassischen Ansatzes wird eine Strategie auf der Ebene eines Familienverbandes angenommen. Das Einkommen und die Ressourcen werden maximiert und diversifiziert und es werden gegenseitige AbhĂ€ngigkeiten angenommen. Familienmitglieder bleiben im Ausland oder kehren zurĂŒck. In einer spĂ€teren Phase des Familien- oder Haushaltszyklus migrieren andere Mitglieder und stellen die weitere UnterstĂŒtzung sicher.cite-ref-17[17]
Genderaspekte
Im Geschlechtervergleich wollen Frauen seltener zurĂŒckkehren als MĂ€nner. Das erklĂ€rt sich teilweise aus der persönlichen und wirtschaftlichen UnabhĂ€ngigkeit, die Frauen im Vergleich zum frĂŒheren Leben an ihrem Herkunftsort gewonnen haben, so dass sie nicht zu den tradierten Geschlechterrollen zurĂŒckkehren wollen. Da Frauen nach fast universellen Sozialvorstellungen zur Kinder-, Alten- und Krankenpflege angehalten werden, stellt die Pflege von Nichtfamilienmitgliedern eine hĂ€ufige Einkommensmöglichkeit dar. Da die Migrantinnen mit ihren GeldĂŒberweisungen in die Heimat zum Familieneinkommen beitragen, besteht bei Pflegenotwendigkeiten im heimatlichen Umfeld weniger Erwartungsdruck auf die Emigrantinnen als auf die zurĂŒckgebliebenen Angehörigen, die Pflege zu ĂŒbernehmen.cite-ref-18[18]
RĂŒckwanderung und Ruhestand
Siehe auch
:
Altersmigration
Der Eintritt in das Rentenalter ist ein wichtiger Ăbergang in der Erwerbsbiografie. Die Erwerbsarbeit bestimmt nicht mehr den Aufenthaltsort und fĂŒr Migranten stellt sich die Frage nach einer Ănderung des Aufenthaltsortes und ihres Status.cite-ref-19[19] Es stehen analytisch mindestens vier Möglichkeiten offen, wobei die ĂbergĂ€nge flieĂend sind:cite-ref-20[20]
⹠Transnationale MobilitÀt: Der aktuelle Wohnort wird als Hauptwohnsitz beibehalten und der Migrant pendelt zwischen den LÀndern. Das ist empirisch der hÀufigste Fall.
âą Verbleib am Aufenthaltsort: Der Migrant bleibt an dem Ort, an dem er so lange im Erwachsenenalter gelebt und gearbeitet hat.
âą Sesshafte RĂŒckkehr: Der Migrant kehrt an seinen Ursprungsort zurĂŒck.
âą Transnationale RĂŒckkehr: Heimkehr an den Ursprungsort verbunden mit einem grenzĂŒberschreitenden Pendeln.
FĂŒr die Entscheidung von Bedeutung sind Faktoren wie Geschlecht, Gesundheit, finanzielle Aspekte, Wohnort von Familienmitgliedern (insbesondere Kinder und Enkel; Frauen tendieren zu einer stĂ€rkeren Anbindung als MĂ€nner) und bilaterale Abkommen zur sozialen Absicherung (z. B. Krankenversicherung).cite-ref-21[21]
RuhestĂ€ndler, die als Lifestyle-Migranten gealtert sind, entscheiden sich mit zunehmendem Alter zu einer RĂŒckkehr in ihre Heimat. Eine Studie zu britischen RuhestĂ€ndlern, die aus Spanien zurĂŒckkehrten, nennt die folgenden GrĂŒnde:cite-ref-22[22]
âą Gesundheit und Pflege: Mangel an angemessenen Pflegeheimen, gröĂere Gesundheitsprobleme, Sprachbarrieren und kein Zugang zu familiĂ€rer Pflege.
âą Finanzielle Aspekte: Steigende Lebenshaltungskosten, Kosten fĂŒr Gesundheitsleistungen, WechselkursĂ€nderungen und Finanzierungsschwierigkeiten der Kranken- und Alterspflege.
âą Soziale Lage: Tod des Partners, Familienbezug und Nostalgie, Einsamkeit und Isolation, Abgelegenheit des Wohnsitzes und Sprachbarrieren.
âRĂŒckwanderungâ der Folgegenerationen
Die âRĂŒckwanderungâ der Kinder und Kindeskinder von Migranten ist ein Sonderfall. Die Kinder von Migranten können im Kindesalter mit ihren Eltern emigriert oder nach der Emigration evtl. auch in gemischt nationalen Ehen geboren sein. Die Zugehörigkeit, IdentitĂ€t und das HeimatgefĂŒhl zum Geburtsland eines oder mehrerer ihrer Vorfahren stellen definitorische und konzeptionelle Herausforderungen dar. Die âRĂŒckkehrâ in die Heimat ihrer Eltern kann in Bezug auf sie selbst eine Auswanderung vom Geburtsort und Einwanderung in die Fremde sein. Ihr Ursprungsort (Geburtsort) ist nicht das Ziel ihrer âRĂŒckkehrâ, sondern ihre âRĂŒckwanderungâ ist einfache Migration. Sie werden bei ihrer âRĂŒckwanderungâ ĂŒberspitzt ausgedrĂŒckt Fremde unter Mitmenschen der gleichen Ethnie.cite-ref-23[23]
UnschÀrfe der Begrifflichkeiten
Die Remigrationsforschung als relativ junges Forschungsgebiet hat noch terminologische Defizite in der Beseitigung von Ungenauigkeiten, Zweideutigkeiten und Stereotypen (die eine fragwĂŒrdige Dichotomie implizieren können). So nennt King (2022):cite-ref-24[24]
âą Re-migration kann verwirren, da der Begriff auch auf Weiterwanderungen zutrifft und im englischen Return-migration eindeutiger ist.
âą illegal fĂŒr die Beschreibung von Migranten ist falsch, da zwar der Vorgang der Migration, nicht aber eine Person illegal sein könne. Staatliche und politische Kategorisierungen dieser Art fĂŒhrten zu einer âIllegalisierungâ von Menschen.
âą Zwischen freiwillig und erzwungen gibt es keine trennscharfe Unterscheidung (Dichotomie), sondern einen kontinuierlichen Ăbergang.
âą Selbst RĂŒckkehrer und Nicht-RĂŒckkehrer kann unprĂ€zise sein, da die Person zu einem spĂ€teren Zeitpunkt zur gegenlĂ€ufigen Kategorie zĂ€hlen kann.
âą Die Dichotomien erwĂŒnscht/unerwĂŒnscht sowie erfolgreich/missglĂŒckt können auf Einzelaspekte der Return-migration zutreffen, aber nur selten auf alle Aspekte einer Return-migration. Sie sind eher politische Deutungsraster.
Reintegration
Die Wiedereingliederung in der Heimat hĂ€ngt von zahlreichen Faktoren ab. Verfolgte, KriegsflĂŒchtlinge, abgeschobene Migranten oder mit staatlicher UnterstĂŒtzung ZurĂŒckkehrende, Studenten, Arbeits- und auch Lifestylemigranten haben unterschiedliche Erwartungen und Voraussetzungen zur Wiedereingliederung. Die Gesellschaft, Politiker und OrtsansĂ€ssigen haben wiederum andere BedĂŒrfnisse, Erwartungen und Perspektiven. Die Internationale Organisation fĂŒr Migration (IOM) definiert die Reintegration sehr weit als einen Prozess zur Wiedereingliederung oder Wiederaufnahme in eine Gruppe oder einen Prozess.cite-ref-25[25]
Damit die RĂŒckkehrförderung und die Reintegration nachhaltig sind, arbeiten seit den 1990er Jahren des FlĂŒchtlingshilfswerk (UNHCR), die Internationale Organisation fĂŒr Migration (IOM), Nichtregierungsorganisationen (NGO) und Forscher an gemeinsamen Definitionen und Konzepten.cite-ref-26[26] Dabei wurde die enge Betrachtung der RĂŒckfĂŒhrung von FlĂŒchtlingen zugunsten einer nachhaltigen RĂŒckfĂŒhrungsförderung und Reintegration auf alle Arten von Migranten erweitert und die IOM ĂŒbernahm die FĂŒhrung. Das Ziel einer nachhaltigen Reintegration wurde im Globalen Pakt fĂŒr eine sichere, geordnete und regulĂ€re Migration von 2018 vereinbart.cite-ref-27[27]
Konsequenzen der Remigration
Die Remigration hat Auswirkungen auf die IdentitĂ€t der Migranten. Laut dem Transnationalismus-Theorieansatz entstehen im Zuge der Einwanderung und RĂŒckwanderung ZugehörigkeitsgefĂŒhle zu beiden beteiligten Staaten, Regionen oder Kulturen (so genannte transnationale hybride IdentitĂ€ten). Diese bedeuten nicht unbedingt einen IdentitĂ€tskonflikt fĂŒr den Migranten, sondern addieren sich oft zu einer persönlichen IdentitĂ€t.cite-ref-1-9-3[9]
Die RĂŒckwanderung bringt unter anderem Konsequenzen bezĂŒglich der Sozialversicherung mit sich. Beispielsweise können bei der (dauerhaften) RĂŒckkehr eines AuslĂ€nders in seine Heimat RentenkĂŒrzungen anstehen und/oder die Voraussetzungen fĂŒr eine Beitragserstattung bei der gesetzlichen Rentenversicherung vorliegen (siehe hierzu zum Beispiel auch die betreffenden Abschnitte im Artikel Altersmigration).
Auf gesellschaftlicher Ebene können remigrierte Personen Modernisierungswirkungen auf die HerkunftslÀnder haben. Diese hÀngen unter anderem von den sozio-politischen VerhÀltnissen im Ausgangsland sowie auch oft von der Freiwilligkeit der Remigration und den damit verbundenen Zielen ab.cite-ref-28[28]
Untersuchungen
Vom Bundesinstitut fĂŒr Bevölkerungsforschung wurde mit der Paneldatenstudie German Emigration and Remigration Panel Study (GERPS) â einer mit dem Sozio-oekonomischen Panel verwandten Studie â der soziokulturelle Hintergrund von Emigration und Remigration untersucht.cite-ref-29[29]
FĂŒr SĂŒdtirol untersuchen die UniversitĂ€ten Bozen und Innsbruck die Remigration von SĂŒdtirolern, die sich bei der Option in SĂŒdtirol fĂŒr die Auswanderung ins Deutsche Reich entschieden hatten und denen von Italien 1948 eine RĂŒckkehroption angeboten wurde.cite-ref-30[30]
Remigration in der deutschen Geschichte
Die Migrationsgeschichte aus und nach Deutschland war seit dem 19. Jahrhundert immer wieder von signifikanten RĂŒckwanderungsbewegungen gekennzeichnet. Von den deutschen Auswanderern in die USA kehrten im 19. Jahrhundert durchschnittlich zehn Prozent zurĂŒck; die Remigrationsquote schwankte zwischen 4,7 Prozent (1859) und 49,4 Prozent (1875).cite-ref-31[31] Die Entscheidung zur Remigration konnte an der VerschĂ€rfung der amerikanischen Einwanderungsgesetze 1875 und 1882 liegen, an einer gescheiterten Integration in die englischsprachige Gesellschaft der USA, oder an wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten wie dem amerikanischen BĂŒrgerkrieg.cite-ref-32[32]
Von den etwa 600.000 Deutschen und Ăsterreichern, die in der Zeit des Nationalsozialismus ins Exil gegangen waren, kehrte nur ein kleiner Teil zurĂŒck.cite-ref-33[33] Zwar garantierte ihnen Artikel 116 des Grundgesetzes fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland, dass sie die deutsche Staatsangehörigkeit zurĂŒckerhielten, die sie bei ihrer AusbĂŒrgerung durch die Nationalsozialisten verloren hatten.cite-ref-34[34] Doch namentlich viele dem Holocaust entronnene Juden â sie machten den GroĂteil der Exilanten aus â wollten nach 1945 mit Deutschland und den Deutschen, die im NS-Staat geblieben waren, nichts mehr zu tun haben. Bis 1960 kehrten nur 12.000 Juden nach Deutschland zurĂŒck. Deutlich gröĂer war die Remigrationsquote bei politisch Verfolgten.cite-ref-35[35]
Einigen sozialdemokratischen Remigranten gelang in der Geschichte der Bundesrepublik eine spektakulĂ€re Karriere: Heinz KĂŒhn, Wilhelm Hoegner, Max Brauer, Herbert Weichmann, Ernst Reuter und Willy Brandt wurden Regierungschefs ihrer jeweiligen BundeslĂ€nder, Brandt wurde Bundeskanzler. Herbert Wehner und Erich Ollenhauer nahmen fĂŒhrende Positionen in der SPD ein.cite-ref-36[36] Prominente kommunistische Remigranten kamen in der Gruppe Ulbricht aus der Sowjetunion in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ), um die Sowjetarmee beim Aufbau neuer Strukturen zu unterstĂŒtzen.cite-ref-37[37]
Prominente Remigranten aus dem Kulturleben waren etwa Anna Seghers, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Bert Brecht, Alfred Döblin, Fritz Kortner, Paul Dessau, Erwin Piscator und Hilde Domin. Andere wie Carl Zuckmayer und Thomas Mann verlieĂen zwar nach 1945 ihr amerikanisches Exil, lieĂen sich aber in der Schweiz nieder. In einem öffentlichen Briefwechsel mit Walter von Molo und Frank Thiess erklĂ€rte Mann, eine kulturelle BetĂ€tigung sei nach 1933 in Deutschland unmöglich. Viele Kulturschaffende trafen nach ihrer RĂŒckkehr auf Feindseligkeit der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Dies galt insbesondere, wenn sie als Angehörige der Armeen der SiegermĂ€chte nach Deutschland zurĂŒckkamen, wie es Klaus Mann, Hans Habe oder Alfred Döblin getan hatten.cite-ref-38[38]
Sowohl in der SBZ als auch in den Westzonen wurde von Remigranten erwartet, die Daheimgebliebenen zu rehabilitieren. Auch unterstellte man ihnen, sich im Ausland lediglich âausgeruhtâ zu haben. Viele Remigranten hatten in der unmittelbaren Nachkriegszeit Schwierigkeiten mit der Versorgung mit Alltagsprodukten: Lebensmittelkarten wurden ihnen vorenthalten, da sie naturgemÀà keine âLebensmittel-Kartenstellen-Abmeldungâ ihres frĂŒheren Aufenthaltsortes vorweisen konnten.cite-ref-39[39]
WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurden acht Millionen Zwangsarbeiter angeworben oder ins Deutsche Reich verschleppt. Sie kehrten ab 1945 wieder in ihre HeimatlĂ€nder zurĂŒck.cite-ref-40[40]
Das Wirtschaftswunder der 1950er und 1960er Jahre fĂŒhrte in der Bundesrepublik zu einem erheblichen Mangel an ArbeitskrĂ€ften, den man in den Jahren 1955 bis 1968 durch die Anwerbung so genannter Gastarbeiter vor allem aus SĂŒdeuropa und der TĂŒrkei ausglich. Die Anwerbungen wurden bis 1964 auf ein Jahr oder zwei Jahre befristet, sodass ein GroĂteil der Betroffenen nach Ablauf seiner BeschĂ€ftigung in sein Herkunftsland remigrierte. Dies betraf den GroĂteil der angeworbenen Arbeiter, nĂ€mlich 12 von insgesamt 14 Millionen.cite-ref-41[41] Viele Jugoslawen und die meisten TĂŒrken, die als so genannte Gastarbeiter gekommen waren, blieben aber, unter anderem weil ihnen eine erneute Einreise nach ihrer Remigration nicht erlaubt war; auch die politische InstabilitĂ€t in ihren HerkunftslĂ€ndern wie namentlich die Jugoslawienkriege ab 1991 senkten die Motivation zur Remigration.cite-ref-42[42]
Unter der Kanzlerschaft Helmut Kohls stiegen die Zahlen tĂŒrkischstĂ€mmiger Remigranten ab 1982 an, was an der KĂŒrzung des Kindergelds, der Zunahme auslĂ€nderfeindlicher Diskurse in der Ăffentlichkeit sowie an dem RĂŒckkehrhilfegesetz vom 28. November 1983 lag:cite-ref-43[43] Bis 1984 erhielten AuslĂ€nder, die im Zuge der Anwerbeabkommen in die Bundesrepublik gekommen waren, bei Remigration in ihr Herkunftsland eine RĂŒckkehrprĂ€mie von 10.500 D-Mark und ihre bis dahin eingezahlten SozialversicherungsbeitrĂ€ge.cite-ref-44[44] Die PlĂ€ne des neuen Kanzlers gingen noch weiter: Laut einem 2013 bekanntgewordenen GesprĂ€chsprotokoll erlĂ€uterte Kohl der britischen Premierministerin Margaret Thatcher am 28. Oktober 1982, es werde ânotwendig sein, die Zahl der TĂŒrken um 50 Prozent zu reduzierenâ, da sie nicht zu assimilieren seien.cite-ref-45[45]
Politisches Schlagwort der Neuen Rechten
Das Institute for Strategic Dialogue in London definierte Remigration 2019 im Kontext der Neuen Rechten in einem Zusammenhang mit der Verschwörungstheorie des GroĂen Austauschs als âZwangsabschiebung von Minderheitenâ und ordnet sie als âweiche Form der ethnischen SĂ€uberungâ ein.cite-ref-46[46]
Frankreich
Der Historiker und Extremismusforscher Nicolas Lebourg weist darauf hin, dass der Begriff âRemigrationâ schon in den 1990er Jahren von Bruno MĂ©gret, einer FĂŒhrungsfigur des damaligen Front National, verwendet wurde und sich Marine Le Pen mittlerweile davon distanzierte, um ihre PrĂ€sidentschaftsambitionen nicht zu gefĂ€hrden.cite-ref-47[47]
Renaud Camus, einer der Vordenker des rechtsextremen Rassemblement National, propagierte nach seinem 2011 erschienenen Werk Le Grand Remplacement die âRemigrationâ als Heilmittel gegen die âMasseneinwanderungâ und âIslamisierungâ. Der Euphemismus fĂŒr die Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen entwickelte sich zu einem SchlĂŒsselbegriff des französischen identitĂ€ren Denkens.cite-ref-48[48]
Deutschland
Als politisches Schlagwort und Euphemismus fĂŒr die Parole âAuslĂ€nder rausâcite-ref-49[49] wurde der Begriff durch die IdentitĂ€re Bewegung eingefĂŒhrt und von der Neuen Rechten wie auch der AfDcite-ref-50[50]cite-ref-51[51] ĂŒbernommen, die unter Remigration die RĂŒckfĂŒhrung âkulturfremder Menschenâcite-ref-52[52] bzw. nichteuropĂ€ischer Migranten in ihre HerkunftslĂ€nder verstehen.cite-ref-53[53] 2018 schrieb der Vorsitzende der AfD ThĂŒringen Björn Höcke von einem âgroĂangelegten Remigrationsprojektâ, das auch âwohltemperierte Grausamkeitâ erfordere.cite-ref-54[54] Bei einem Fernsehduell mit Mario Voigt, dem Spitzenkandidaten der CDU bei den ThĂŒringer Landtagswahlen, behauptete Höcke am 11. April 2024 dagegen, mit Remigration meine er die RĂŒckkehr von 1,5 Millionen Deutschen, die in den vergangenen 30 Jahren ausgewandert seien und im Ausland lebten; darum gehe es auch seiner Partei.cite-ref-55[55]cite-ref-56[56] Der Kommunikationsberater Johannes Hillje kommentierte, Selbstverharmlosung sei eine typische Strategie von Rechtsextremisten: Höcke habe âgelogen, verdreht, verharmlostâ und sei damit durchgekommen.cite-ref-57[57]
Seit Oktober 2023 kursieren unter dem Titel Remigrationshymne in den Sozialen Medien Videos des Lieds Lâamour toujours von Gigi DâAgostino, zu dem die Worte âAuslĂ€nder raus, Deutschland den Deutschen, AuslĂ€nder rausâ gesungen oder gegrölt werden.
Die Jury der Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres wĂ€hlte mit Gastjuror Ruprecht Polenz âRemigrationâ als âbeschönigend fĂŒr die Forderung nach Zwangsausweisungen und bis hin zu Massendeportationenâ zum Unwort des Jahres 2023.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]cite-ref-60[60] Der Begriff wurde bereits vor der besonderen Medienaufmerksamkeit auf das Treffen von Rechtsextremisten in Potsdam 2023 vorgeschlagen,cite-ref-61[61] bei dem der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner einen sogenannten âMasterplan zur Remigrationâ vorgestellt haben soll.cite-ref-62[62]
Im Februar 2024 verlangte Marine Le Pen, die Vorsitzende des französischen Rassemblement National, von Alice Weidel, der Co-Bundessprecherin der AfD, sie solle schriftlich erklĂ€ren, dass Remigration niemals Teil des AfD-Programms sein werde. Dem konnte Weidel nicht nachkommen, da im AfD-Wahlprogramm zur Europawahl 2024 explizit âRemigrationsprogramme auf nationaler und europĂ€ischer Ebeneâ gefordert werden.cite-ref-63[63] In ihrer Rede zur Nominierung als Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl im Januar 2025 sagte Weidel, man mĂŒsse die Grenzen dicht machen und RĂŒckfĂŒhrungen im groĂen Stil durchfĂŒhren. Sie schloss: âWenn es dann Remigration heiĂen soll, dann heiĂt es eben Remigration.âcite-ref-64[64]
Ăsterreich
Im Sommer 2023 nahmen Mitglieder der FPĂ-Jugend an einer Demonstration unter dem Schlagwort âRemigrationâ in Wien teil. Nach Ansicht Bernhard Weidingers, Mitarbeiter der Stiftung DĂW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes), sind damit Massendeportationen von GeflĂŒchteten gemeint.cite-ref-65[65] Am 1. MĂ€rz 2024 veröffentlichte der rechtsextreme Ăsterreicher Martin Sellner ein Buch mit dem Titel Remigration: Ein Vorschlag.
Im Juni 2024 forderte die FPĂ eine Remigrationskommissarin.cite-ref-66[66] FPĂ-Obmann Herbert Kickl erhob im Wahlkampf der FPĂ im Zuge der Nationalratswahl 2024 ebenfalls die Forderung nach Remigration.cite-ref-67[67]
Literatur
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âą Irmela von der LĂŒhe (Hrsg.): âAuch in Deutschland waren wir nicht wirklich zu Hause.â JĂŒdische Remigration nach 1945. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0312-6.
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Weblinks
Commons
: Remigration
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Remigration
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⹠Sarah Scholl-Schneider: Remigration, Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Carl von Ossietzky UniversitÀt Oldenburg
âą Lemma Remigration, Online-Lexikon der Geographie, Spektrum.de
âą Marina Aschkenasi: JĂŒdische Remigration nach 1945, Aus Politik und Zeitgeschichte, 42/2014
âą Deutschlandkarte 30/2017 âZurĂŒck in die alte Heimatâ des ZEITmagazins, 24. Juli 2017
Einzelnachweise
cite-note-11. â Die Definition folgt Sarah Scholl-Schneider: Remigration, in: Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Carl von Ossietzky UniversitĂ€t Oldenburg, Stand 2015
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